29.03.2008 - Herren IV - SG Mauersberg II & SV Chemnitz-Harthau (Rückspiele)
Geschrieben von: Marc Stoll   
Montag, den 31. März 2008 um 09:06 Uhr

Dem Spieltag vorhergegangen war eine unnötige Meinungsverschiedenheit über den Austragungsort der Begegnungen: Seit Januar schien zur allgemeinen Freude festzustehen, dass das Spiel in einer Großsporthalle in Marienberg stattfinden sollte - zeitgleich mit Spielen der anderen Mauersberger Teams. Kurz vor knapp machte aber der Mauersberger Teamverantwortliche die Pferde scheu und kündigte an, die Spiele werden wie ursprünglich geplant in der Halle in Mauersberg stattfinden.
Wer schon einmal in diesem Bauwerk einen schnell geschlagenen Volleyball von einer Wand retourniert bekam, wird verstehen, dass diese Entscheidung bei vielen nur auf begrenzte Gegenliebe stieß. Tatsache ist nunmal, dass die Wände im Mauersberger "Würfel" sehr eng stehen - und zwar alle sechs. Auch ich persönliche beginne meinen Anlauf zu einem Angriff von Position IV lieber NEBEN anstatt IN einer Wand, da stehen mir einfach die Moleküle zu eng. Ferner besteht in dieser Halle die Möglichkeit, durch eine taktische Landung nach einem Blocksprung den Schiedsrichter in bester Full-Contact-Manier auszuschalten und damit lästige Zeugen zu beseitigen: Darf der der Gute doch seinen Möglichkeiten entsprechend in halbkauernder Stellung unter dem an der Seitenwand befestigtem Netz verharren.
Glücklicherweise stellte sich nach kurzen Recherchen heraus, dass diese Sporthalle für den (Volleyball-)Spielbetrieb der laufenden Saison erstmals nicht zugelassen wurde. Nachdem von den Chemnitzer Beteiligten einige mögliche Handlungsalternativen aufgezeigt wurden, lenkte der Mauersberger Verantwortliche schlussendlich - mehr oder weniger verständnisvoll - ein. Dank seiner Bemühungen fand das Spiel nun doch wie erhofft und zur großen Freude in Marienberg statt.

Wie wir am 29.3. zu unserer großen Zufriedenheit feststellen durften, entsprach die Halle tatsächlich in jeder Hinsicht allen möglichen Anforderungen, wenn man davon absieht, dass 13.30 Uhr immer noch ein Volleyballnetz fehlte. Selbiges wurde nach der telefonischen Orderung seitens der Gastgeber kurzfristig von einem hilfsbereitem Menschen vorbeigebracht, sodass das erste Spiel entgegen anders lautenden  Befürchtungen doch nur mit minimaler und zu vernachlässigender Verzögerung angepfiffen werden konnte.
Abgesehen vom arbeitstätigen Rico traten wir an diesem Tag komplett an. Zudem hatten wir bereits im Vorfeld beschlossen, durch taktische Umstellungen Harthau stärker zu fordern als dies beim Hinspiel der Fall war. Die veränderte Aufstellung sollte beim Spiel gegen Mauersberg geprüft werden und bei einer erfolgreichen Bewertung auch im zweiten Spiel zum Einsatz kommen.
Martin spielte an diesem Tag zu - die Qualität seiner Pässe spiegelte dabei die aktuelle Mannschaftsstimmung wider. In den meisten Fällen gelang es ihm, die Bälle in geeignete Bahnen zu lenken - mit seiner Unberechenbarkeit überraschte er dabei nicht nur die Gegner, sondern gelegentlich auch die eigenen Angreifer. Diese ließen sich aber nicht so schnell verängstigen und brachten in der Regel auch die schwierigen Pässe über das Netz. Der wesentliche Bonus im Vergleich zur Option "Kevin als Zuspieler" aber bestand wie erwartet in Martins Block. Bereits die theoretische Anwesenheit eines ebenbürtigen Blockspielers führte dazu, dass einge gegnerische Außenangreifer an diesem Tag scheinbar freiwillig in Netz schlugen.
Kevin hingegen glänzte wie erwartet in seiner Rolle als Libero ("Libiero"). Dadurch konnten die erwarteten größten Fehlerquellen in der Annahme unseres Teams beseitigt werden: Peter und ich. Während Kevin uns auf dem Feld vertrat und dabei perfekte Annahmen lieferte und in der Feldabwehr unglaubliche Bälle holte, nutzten wir diese persönlichen "Auszeiten", um uns über das Privileg eines deratigen Liberos zu freuen und uns mental auf den Einsatz vorn am Netz vorzubereiten: Peter lieferte in der Mitte vor allem eine gute Blockarbeit ab - man bescheinigte ihm offiziell einen guten Tag - und schaffte es mehrfach durch seinen Block Akzente zu setzen, die uns beim Hinspiel noch fehlten (außerdem brachte er durch seine "Angriffe" bzw. "Anleger" die gegnerischen Blockspieler regelmäßig zur Verzweiflung). Ich war mit meiner Leistung an diesem Tag nicht recht zufrieden, aber Gerüchten zufolge würde es wohl noch für den Garten reichen. Für einen kleinen Garten.
Es fehlt jetzt noch eine Aussage zum Schmied, selbiger konnte sich mit fordernden Flatteraufschlägen, dem bewundernswertem Schlagen schwieriger Pässe und perfekten Regelkenntnissen zu rechten Zeit in meinem Kopf festsetzen. Daniel glänzte ebenso wie Ink mit der Annahme, beide stellten für den gegnerischen Block stets eine Herausfoderung dar. Die konnten sie aber praktisch ausnahmslos für sich entscheiden.
Auswechselspieler Marci war der ruhende Pol auf der Bank, zu dem man immer gern hin ging, wenn einem der Libero vom Feld verwies. Außerdem gab er mentale Rückendeckung während der Auszeiten und wenn es mal nicht so lief. Der etwas später als erwartet erscheinende Rico wurde von allen freudig begrüßt - war er doch ursprünglich als "Versicherung" gedacht, sollte es im zweiten Spiel zu einer Verletzung eines unserer Spielers kommen.

So. Nun aber genug der Lobhudelei.

Zum ersten Spiel (vs. Mauersberg) ist nicht viel zu sagen, das Meiste verlief nach Plan - der 3:0-Sieg war nie in Gefahr. Wir gingen ruhig und bedacht zur Sache, waren wir Mauersberg doch objektiv in allen sechs volleyballtypischen Elementen überlegen. Dies ging bei der Annahme los und endete bei der Feldabwehr.

Das dem zweiten Spiel (vs. Harthau) vorangestellte Einschlagen verlief nicht ganz so beeindruckend wie bei unserer ersten Begegnung vor zwei Wochen. Auch das Spiel selber wird mir nicht in einer derartigen Erinnerung bleiben. Wenigstens haben wir es auf DVD, ich werde also mal reinschauen - unter Adrenalin kann ich mir viele Sachen einfach schlecht merken. Tatsache ist aber, dass Harthau in den ersten beiden Sätzen vor allem in der Annahme klare Schwächen zeigte. Auch die Zahl ihrer Fehlaufschläge war für sie sicher selbst beängstigend. Wir hingegen konnten dank unserer liberooptimierten Annahme klar punkten. Als Konsequenz gingen die ersten beiden Sätze mit 25:19 und 25:16 recht klar an uns, Harthau war einfach im Kopf "nicht frei". Aber ob ihr vergleichsweise schlechteres Auftreten daran oder an unserem besseren Spiel lag, kann ich nicht sagen.
Nun wäre ein Sieg im "Dritten" eigentlich konsequent und richtig gewesen, dies hätte auch allen Beteiligten einiges an Ärger erspart. Dummerweise waren wir uns aber in irgend einer hinteren Ecke unserer Köpfe unserer Luxussituation bewusst: Durch die zwei gewonnen Sätze gehört der erste Platz der Staffel bereits uns. Eventuell lag es dann auch daran, dass wir im Laufe des dritten Satzes zunächst in der Annahme und dann in allen anderen Bereichen wegbrachen und Harthau dadurch spielerisch erstarkte. Wir gaben den Satz 22:25 ab, gefühlt war es aber ein 15:25. 22 Punkte klingen doch noch recht geschmeichelt.
Im vierten Satz konnte Harthau einen 19:14 Vorsprung erwirtschaften, dieser wurde jedoch von uns wieder per Salamitaktik zurückgeholt: Beim Stand von 20:16 wechselte der Harthauer Trainer den vermeintlich annahmeschwachen Alex gegen Thomas aus. Damit wies er aber unserem Aufschlagspieler, in diesem speziellen Fall handelte es sich übrigens - nebenbei gesagt - um meine Person, automatisch ein neues Ziel zu. Beim Stand von 20:19 wollte der lockige gegnerische Trainer eine Auszeit nehmen. Und das tat er dann auch. Zumindest versuchte er es. Denn für seine aus taktischer Sicht guten, z.T. aber recht kurzfristig angesetzten Aktionen bekannt, tat er dies erst, nachdem der erste Schiedsrichter den Ball bereits freigegeben hatte. Was jetzt im Einzelnen passierte, weiß ich nicht mehr (das muss ich bei Gelengenheit mal auf der DVD prüfen), aber anstatt eines Zurückweisens der Auszeit und des Gebens eines Nullballs bekamen wir wohl einen Punkt. Zu Unrecht, wie mich mein Kapitän in seiner Funktion als wandelndes Regelbuch neuerdings aufklärte. Aber ich hatte zu dieser Zeit restlos den Überblick verloren und wollte eigentlich nur noch schnell ins Aqua Marien, um dort baden zu gehen.
Der Rest ist genauso verworren. Harthau führte irgendwann mit 28:27 und war am Aufschlag. Unser Mittelangreifer Ink bekam einen suboptimalen Pass gestellt und schwartete diesen kolossal in Richtung des "Aus". (Für Außenstehende: Damit wird der Raum außerhalb des Spielfeldes bezeichnet.) Lauter Jubel bei den Harthauern Spielern sowie dem gegnerischen Publikum, der erste Schiri pfeift unmittelbar ab - bei dem ganzen Lärm hört er natürlich nicht seinen Mitarbeiter am anderen Netzende, der ihn vehement darauf hinweist, dass der ein oder andere Harthauer beim Block dieses Mittelangriffes wohl recht deutlich im Netz war. (Ich habe es noch im Ohr, wie wir nach den Satzpausen zurück aufs Feld gepfiffen wurden - der 2. Schiri schaffte es tatsächlich während des gesamten Spiels nicht, seinem Holzblasinstrument  Töne in der vom Pfeifenhändler versprochenen Lautstärke zu entlocken.)
In den nun folgenden 9,4 Minuten haben sich mehrere Menschen nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Deswegen will ich das jetzt auch nicht gesondert ausführen - manche Sachen sollte man auch ohne degenerative Erkrankungen des zentralen Nervensystems vergessen können. Tatsache ist aber (habe ich in diesem Bericht schon einen Satz so begonnen...?!?), dass wir den Punkt folgerichtig doch noch bekamen (Schmieds Regelkenntnis sei Dank) und den Satz letztendlich mit 31:29 gewinnen konnten. Es ist ja auch e bissl bleede, wenn man so ein Spiel irgendwann noch 2:3 verliert und dann nur "auf dem Papier" aufsteigt - und das vielleicht, weil man durch den gegnerbedingten Ausfall eines anderen Spiels schon einmal 75:0 Punkte kassieren durfte.

Schlussendlich waren wir mit den Harthauer Spielern aber menschlich wieder im Reinen und uns über weite Strecken hin einig, dass unsere erste Begegnung ein schöneres, knapperes, spannenderes Spiel war. Einige gewaltbereite Harthauer Fans hingegen verschwanden vor ihrer Abfahrt nochmal kurz zum Baumfällen in den zahlreich vorhandenen Marienberger Forst. Und ein Schiedsrichter fragte abschließend den perplexen Schmied, ob es nicht scheiße wäre, wenn man alles besser wüsste? Da wir von Textima nur schlagfertig sind, was Bälle angeht und das gesprochene Wort nicht immer unser Freund ist, blieb er die Antwort schuldig - verriet mit aber später, dass er das eigentlich ganz gut findet, wenn man ordentlich bescheid weiß.
Tatsächlich waren während dieses Spiels nicht er, sondern vor allem große Teile des Publikums oft der Ansicht, das ein oder andere besser als die Schiris zu wissen bzw. gesehen zu haben - und dies taten sie dann auch lauthals kund. Ich hätte mir ebenfalls über weite Strecken ein sichereres Auftreten der neutralen Fehlerverwalter gewünscht. Ich habe - glaube ich - einmal übergegriffen (ja, ich kann mich auch irren - aber beim Übergreifen kann ich auf lange Erfahrung zurückblicken), dies wurde mir aber nicht sanktioniert. Wahrscheinlich ausgleichende Gerechtigkeit, denn ich erinnere mich ebenfalls noch gut an die Szene, als ein Harthauer Blockspieler einen unserer Angriffe berührte und dies auch durch einen kurzen Ausruf seinen Mannschaftskameraden so kundtat. Der Ball ging danach ins "Aus" (ich erklärte diesen Ort bereits), den Punkt aber bekam Harthau - die auf einmal unerwartet konsequenten Schiris verzichteten trotz unserer Anfragen einfach darauf, beim betreffenden Spieler einmal selbst nachzufragen.
Ansonsten wollten viele Zuschauer immer mal jemanden im Netz gesehen haben, dies kann ich aber so nicht bestätigen, weder auf der einen noch auf der anderen Seite. Trotzdem setzte unter den anwesenden Personen die Meinung durch, die Schiris hätten schlecht gepfiffen; dies aber wenigstens für beide Teams.
Das Schiedsgericht veranlasste übrigens noch eine recht humorige Eintragung ins Spielprotokoll, die ich an dieser Stelle nicht unkommentiert vorenthalten möchte und daher zunächst exakt widergebe: "Unsportliche Äußerungen gegenüber des Schiedsgerichtes, seitens beider Mannschaften".
Der folgende kleine Tipp eines anwesenden Außenstehenden (d.h., Volleyballer eines unbeteiligten Vereins) geht in diese Richtung und wurde mir mit der Bitte um Weiterleitung mit auf den Weg gegeben: "Würde man sich wie ein Schiedsgericht kleiden, hätte man die bunten Karten dabei und würde sie ebenso wie die Pfeife auch richtig benutzen, hätte man von Anfang an klare Richtlinien aufgestellt und würde diese auch durchsetzen - dann wären die Schiris den Anforderungen an sie gerecht geworden."

...marc

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 01. April 2008 um 20:51 Uhr
 
 
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